Liebe Freunde,
es ist mal wieder Zeit für einen Blogeintrag (jaja, höchste Zeit). Nach dem Urlaubsbericht werde ich jetzt mal wieder ein bisschen von meiner Arbeit erzählen. Anders als geplant arbeite ich nach wie vor in Alcalá und habe bisher nicht die Einsatzstelle gewechselt. Mein Aufgabenfeld hat sich allerdings geändert. Ich arbeite jetzt mit der Weltwärts-Freiwilligen Leanne zusammen in den Nachmittagen auf dem Campo ca. 1 Stunde zu Fuß entfernt von Alcalá. Dort unterrichten wir zwei gehörlose Kinder in einfacher Kommunikation, schreiben und lesen.
Die Arbeit dort macht mir jedenfalls sehr viel Spaß und ich kann viel Sinn daraus ziehen. Den Lernfortschritt der Kinder erkennt man jeden Tag, sie lernen immer mehr Wörter mit den dazugehörigen Gebärden und fangen gerade an, den Sinn von Verben zu verstehen und fragen immer regelmäßig nach, was alles mögliche denn heißt.
In den Vormittagen habe ich jetzt vor kurzem wieder in der Escuela angefangen. Es gibt eine neue Musiklehrerin und ich helfe ihr 3 mal die Woche mit dem Unterricht (teilweise gibt es auch 2 Kurse zur selben Zeit, die wir uns dann aufteilen). Nach wie vor macht mir diese Arbeit auch spaß, und ich fühle mich auch dort nützlich, da die Lehrerin noch neu ist und es noch einige Dinge gibt, die ich aus dem letzten Jahr kenne und ihr zeigen kann.Die übrigen beiden Vormittage werde ich ab nächster Woche in Außenschulen arbeiten und mit Julian zusammen Sport- und Musikunterricht geben, da es das in den Außenschulen meistens nicht gibt (es gibt oft nur einen oder 2 Lehrer). Ich habe vorher in der Alcaldia (Rathaus) gearbeitet für kurze Zeit. Die Arbeit dort bestand jedoch im Prinzip nur daraus, Erde einzutüten um dann Pflanzen heranzuzüchten. Wir haben jetzt mit allen Voluntariern gemeinsam in Absprache mit unserem Hostalvater entschieden, diese Arbeit von jetzt an zu streichen, da wir oft einfach alleine arbeiten, da die Leute von der Alcaldia sagen, sie hätten keine Zeit dafür, und wir die Arbeit für stumpfsinnig und nicht so sinnvoll halten. Da finden wir es sinnvoller jetzt eine Hausaufgabenhilfe und einen Spielsalon hier in Alcala ins Leben zu rufen, wofür wir bereits Räume organisiert haben und die jetzt beginnen werden.
Soo... soweit zu meiner Arbeit, ansonsten war ja geraden Karneval, da waren wir mit ca. 20 Leuten von uns in Oruro, wo der größte Karneval in Bolivien ist und der 2. größte der Welt (nach Rio). Der Karnevalszug war echt richtig heftig, über 100 Gruppen aus allen möglichen Teilen von Bolivien, mit großen Bands und unglaublich aufwendigen Kostümen, ich hatte den Eindruck, dass mehr Leute an dem Karnevalszug teilnehmen als es Zuschauer gibt. Dabei war die ganze Stadt voller Leute. Alle hatten Wasserbomben und haben sich gegenseitig abgeworfen, und jeder hatte so eine Sprühdose, mit der er alle anderen mit Schaum vollgesprüht hat. Auf der Straße wurden immer so Regenponchos verkauft, die haben uns echt das Leben bzw. die Klamotten gerettet, wir waren zwischenzeitlich alle komplett weiß vom Schaum :)
Soo... soweit zu meiner Arbeit, ansonsten war ja geraden Karneval, da waren wir mit ca. 20 Leuten von uns in Oruro, wo der größte Karneval in Bolivien ist und der 2. größte der Welt (nach Rio). Der Karnevalszug war echt richtig heftig, über 100 Gruppen aus allen möglichen Teilen von Bolivien, mit großen Bands und unglaublich aufwendigen Kostümen, ich hatte den Eindruck, dass mehr Leute an dem Karnevalszug teilnehmen als es Zuschauer gibt. Dabei war die ganze Stadt voller Leute. Alle hatten Wasserbomben und haben sich gegenseitig abgeworfen, und jeder hatte so eine Sprühdose, mit der er alle anderen mit Schaum vollgesprüht hat. Auf der Straße wurden immer so Regenponchos verkauft, die haben uns echt das Leben bzw. die Klamotten gerettet, wir waren zwischenzeitlich alle komplett weiß vom Schaum :)
Als wir nach dem langen Wochenende wieder nach Alcala zurück gefahren sind, mussten wir das Motorrad mitnehmen, dass sich Julian in Sucre gekauft hatte, um hier in die ganzen Außenschulen zu fahren (200er Honda Crossmaschine). Wir haben dann nach einem LKW gesucht, der wenigstens bis an die "Alcala-Kreuzung" fährt, von wo es ca. noch 20 Minuten mit dem Motorrad nach Alcala gewesen wären. Wir waren ein bisschen spät dran und haben daher niemanden gefunden, irgendwann hat einer angehalten, der sagte er fährt bis "eine halbe Stunde vor der Alcala-Kreuzung"... da haben wir natürlich nicht nein gesagt! Sind dann mit dem Motorrad auf den LKW und kurz hinter Zudanes hat er uns dann rausgelassen (Zudanes ist kurz hinter der Hälfte des Weges), er sagte dann, fahrt einfach ne halbe Stunde in die Richtung, dann kommt ihr automatisch zur Kreuzung. Es war schon komplett dunkel und das Licht von dem Moto war irgendwie nicht so top, die Straße ziemlich steinig. Wir haben ca. 3 Stunden gebraucht, haben uns mit dem fahren abgewechselt, sind halt relativ langsam gefahren, weil wir wenig gesehen haben. Das war schon ein witziges Abenteuer :) zwischendurch hat uns eine Flota (Bus) überholt und dann sehen wir auf einmal neben ihr so einen Schatten. Ist das ein Hund, der neben der Flota herläuft? Nein! Das ist das hintere linke Rad der Flota, das komplett rausgebrochen ist, die Flota ist dann ein bisschen an die Seite gerutscht und sonst ist nichts weiter schlimmes passiert... aber da sieht man mal wie endgefährlich das ist, hier mit den Flotas rumzufahren, die sind echt teilweise halb zusammengeklebt.
Übrigens haben wir uns Hühner zugelegt, 15 Stück, die wir großziehen und dann schlachten wollen, einige sind echt schon fett, in ca. 3 Wochen wollen wir die ersten dann essen! Und wir haben einen kleinen Hund, der wohnt zur Zeit noch bei Reina und Carlos, weil wir noch einen Zaun bauen müssen, in unserem Hostelling Garten, wo der Hund dann erstmal rein kann.
Übrigens haben wir uns Hühner zugelegt, 15 Stück, die wir großziehen und dann schlachten wollen, einige sind echt schon fett, in ca. 3 Wochen wollen wir die ersten dann essen! Und wir haben einen kleinen Hund, der wohnt zur Zeit noch bei Reina und Carlos, weil wir noch einen Zaun bauen müssen, in unserem Hostelling Garten, wo der Hund dann erstmal rein kann.
Bei meiner neuen Arbeit bekomme ich sehr viel Einblick in den Alltag der Familie, deren Kinder ich unterrichte. Das ist sehr interessant für mich, andererseits auch heftig zu sehen, wie diese Familie lebt. Das Lehmhaus, in das es bei starkem Regen reinregnet, die hygienischen Zustände, der Ablauf des Alltags (je nach Erntezeit viel Arbeit auf dem Feld, Kühe betreuen etc.). Die Mutter ist vor ein paar Monaten gestorben und der Vater hatte 2 Schlaganfälle, kann nicht mehr richtig arbeiten und redet sehr verschwommen. 3 der Kinder sind gehörlos und der Rest wohnt nicht mehr zu Hause. Sie essen je nach Saison das Essen was sie anbauen. Momentan also jeden Tag Mais und Kartoffeln, was mir nach den paar mal, wo sie mich zum Mitessen eingeladen haben schon zum Hals raushängt. Die Kinder wirken eigentlich immer sehr glücklich, lachen immer und man merkt ihnen gar nicht an, dass sie gerade erst die Mutter verloren haben. Der Vater lässt sich das schon mehr anmerken, er redet auch öfter über seine Frau. Seine Situation ist einfach so heftig, alleine mit 3 gehörlosen Kindern zuhause, die ganze Arbeit zu erledigen, obwohl er durch den Schlaganfall viel Rücken- und Kopfschmerzen hat, und frisch die Ehefrau verloren. Zum Glück kommt immer mal jemand von den älteren Kindern für eine Zeit vorbei um zu helfen.
Die Familie hat von allen Sachen hier in Bolivien am meisten Eindruck auf mich gemacht.
Ansonsten ist meine Erfahrung hier besonders durch das Reisen etc. die, dass Bolivien einfach viel unzuverlässiger und unorganisierter ist als Deutschland, z.B. bin ich schon 2 mal in einen Streik geraten, durch den ich dann nicht wie geplant weiterkam, einmal als ich nach Weihnachten nach Chile wollte und die Benzinpreise erhöht wurden und nichts gefahren ist, und einmal saß ich in La Paz fest, weil wegen Buspreiserhöhung wieder ein Streik war. Einige Dinge lerne ich also sehr an Deutschland zu schätzen, wie die Verlässlichkeit (es gibt natürlich auch Streiks, aber hier ist das noch viel häufiger und in ganz anderem Ausmaß), oder einfach das Essen und die Kultur. Mal wieder so ein deutsches Schnitzel wär mal ne coole Sache :)
Also Leute, ich grüße euch alle ganz herzlich, macht es gut, ich lasse wieder von mir hören!
Euer Nico