Dienstag, 26. Juli 2011

Und nochmal kurz ein paar aktuelle Infos zu meiner Arbeit mit Reina und Carlos (ihr wisst schon, die zwei gehörlosen Kinder).
Die Arbeit hat sich leider etwas verändert, seit wir eine schlimme Neuigkeit erfahren haben. Die beiden haben nicht nur kein Hörvermögen sondern werden mit der Zeit auch das Sehvermögen verlieren, da sie an Usher-Syndrom leiden.
Seitdem hat sich der Unterricht mit ihnen schon sehr verändert, erstmal sind wir beide etwas in ein Tief gefallen und wussten gar nicht, ob es überhaupt noch Sinn macht, die zwei noch zu unterrichten. Wir sind trotzdem immer hin gegangen und das ganze hat sich mit der Zeit etwas mehr zu Betreuung und Freundschaftsbesuchen entwickelt. Wir haben uns einfach unterhalten oder 4-Gewinnt oder Mikado gespielt oder auch mal etwas Unterricht gemacht.
Da ein Pferd von der Familie gestorben ist und sie die Pferde eigentlich zum arbeiten brauchen, hat Julz (eine Voluntarierin, die vorher auch in Alcala war) spenden gesammelt um ein neues Pferd zu kaufen. Das haben wir dann letztendlich auch gemacht und ich bin dann mit dem Pferd zu ihnen geritten und habe es übergeben.

 Ich will mich kurz fassen und gar nicht mehr so viel erzählen, weil ich vorher ja schon einiges über die beiden und über den Unterricht geschrieben habe. Generell wurde unser Verhältnis zu der Familie mit der Zeit immer enger und jetzt wo ich schon aus Alcala weg bin vermisse ich sie schon ziemlich doll. Man kann nur hoffen sie kommen generell klar mit ihrer Situation, ich bin da aber zuversichtlich, weil das Projekt von Hostelling auch weitergeführt wird und eine neue Voluntarierin dort hin gehen wird.

Cómo se construye una cocina!

 In der Zeit ca. von Mai bis Juni haben wir Jungs ein paar Bau-Arbeiten zu erledigen gehabt.
Es hieß erst, Julian und ich sollten ca. eine Woche mithelfen bei den Arbeiten für die Küche, in der wir Voluntarios dann unser Essen kochen sollten. Im Endeffekt haben wir beiden dann mit Jaime, einem bolivianischen kann-generell-alles-Arbeiter, zusammen ein kleines Haus gebaut und als Küche eingerichtet.

Hier eine kurze Zusammenfassung, was wir dabei alles so machen mussten:

Erst musste natürlich die Backsteinmauer hochgezogen werden:

Nachdem das getan war und wir auf der einen Seite die schon da gewesene Lehmmauer angeglichen hatten, kam dann das Dach.
 
Erst haben wir die Längsbalken befestigt (mit Putz) und dann überall Zaun gespannt, festgenagelt und mit Draht zusammengebunden.

Dann kamen die Querbalken drauf und Stroh, damit man dann das ganze mit Putz abdichten konnte.

 Als der Putz auf dem Dach dann trocken war, haben wir zu guter letzt Wellblech oben drauf befestigt.

 Zwischendurch legten wir noch die ganzen Wasserleitungen und den Strom für die Küche. Was uns echt beeindruckt hat, war das ein einiger Arbeiter von allen Bereichen der Bauarbeiten Ahnung hatte und alles quasi selber konnte. Er ist quasi Maurer, Dachdecker, Gas- und Wasserinstallateur, Elektriker und alles mögliche Gleichzeitig (ohne jemals eine Ausbildung in einer dieser Dinge gemacht zu haben ;>)
Dann musste das Dach von innen verputz werden und die ganzen Wände auch (Wir haben eigentlich die meiste Zeit nur Putz gemischt), und anschließend der Boden (mit der anstrengendste Teil der ganzen Arbeit). Dafür mussten wir alles mit Steinen auslegen und anschließend mit Beton füllen. An dem Tag haben wir bis 1 Uhr nachts gearbeitet, weil immer wieder neue Schichten Beton auf den Boden mussten und dazwischen ständig gewartet werden musste, bis das Ganze getrocknet war..
Am Ende sah das Innere der Küche dann so aus:

 Dann fehlte nur noch der Betontisch, also die Arbeitsfläche, und die Fliesen und der Anschluss der Steckdosen und des Wasserhahnes und -abflusses.

Freitag, 8. Juli 2011

Salz- und SIlbertour

Liebe Freunde,
tut mir leid, dass ich den Blog so lange nicht mehr aktualisiert habe. Da jetzt mittlerweile 4 Monate vergangen sind, sind einige Dinge passiert. Zuerst erzähle ich euch von der "Salz - und Silbertour". Das ist die Tour, die sozusagen "im Preis mit inbegriffen" ist, also wir Zivis haben sie alle von Hostelling Gratis mit dabei.
Ich habe sie mit Julian, Gereon und Bambi gemacht.
Das Ganze ging los in Potosí. Das ist die alte Minenstadt in Bolivien, die vor ca. 400-500 Jahren mal eine der größten Städte der Welt war. Dort wurde so viel Silber angebaut, dass man eine Brücke von Potosí bis nach Spanien hätte bauen können (hätte ich cool gefunden, wenn sie das mal gemacht hätten :>) und der Silberabbau in Potosí hat zeitweise die Hälfte des Brutto-Inlands-Produktes von Spanien ausgemacht (Bolivien war ja eine Spanische Kolonie).

Naja, wir haben jedenfalls die Minen besichtigt, wo immer noch Silber und Zinn abgebaut wird und wo immer noch einige Menschen arbeiten. Das war eine echt unglaublich heftige Erfahrung. Wir haben auf unserer Besichtigung auch sehr junge Minenarbeiter getroffen und manche, die schon seit ihrem zwölften Lebensjahr dort arbeiten.

Allein schon die paar Stunden, die ich in der Mine war, fand ich echt anstrengend, da es echt total eng in den Schächten ist und oben total kalt und weiter unten heiß ist. Außerdem ist die Luft total stickig und es ist dunkel. Die Leute arbeiten dort den ganzen Tag und das die ganze Woche, und konsumieren permanent Coca und Alkohol um das ganze auszuhalten. Ich glaube das ist mit die schlimmste Arbeit auf der Welt, schon nach den paar Stunden wollte ich dringend wieder raus aus diesen Minen.
Übrigens kann man da überall einfach so Dynamit kaufen.
Das ist der "Tio" (wörtl. "Onkel", abgeleitet vom Wort "Dios" (Gott)), eine Art Teufel, der in den Minen verehrt wird. Die Arbeiter opfern ihm Coca, Zigaretten und Alkohol, um ihn zu besänftigen, damit er sie nicht in den Minen verunfallen lässt.

Am nächsten Tag fuhren wir weiter nach Uyuni, wo der zweite Teil der Tour stattfand, der Salzteil. Dort befindet sich der größte Salzsee der Welt (12.000 km²). Wir haben da eine Tour gemacht mit einem Jeep, über die Salzwüste und außen rum durch die Landschaft.
 
Da zu der Zeit noch etwas Wasser auf dem See war, waren wir nur kurz auf dem See und sind dann außen rum gefahren und haben uns noch andere Sachen angeguckt, wie Geisire, heiße Quellen, irgendwelche Steine, die angeblich immer wie irgendwas tolles aussahen (ein Baum oder ein Condor oder so), was aber meistens eher unspektakulär war, und ungefähr 1000 Lagunen, teilweise mit Flamingos drin.
Der Salzsee war cool, aber die ganzen anderen Sachen haben sich viel wiederholt, man hat halt immer wieder irgendeine andere tolle Lagune gesehen oder einen besonders toll geformten Stein. Das war irgendwann langweilig und konnte uns nicht mehr beeindrucken, wie man auf folgenden Bildern sieht ;-)


Nachts war es einfach unnormal kalt und wir haben mit allen Sachen geschlafen. Man durfte nur die komplette Tour lang nicht sagen, dass einem kalt ist, weil man sonst eine Runde Bier ausgeben musste :-)
Während dieser ganzen Tour saßen wir im Endeffekt 80 Prozent der Zeit in dem Jeep, weil das alles relativ weit auseinander liegt. Das coolste an der Tour war im Prinzip, dass man auf dem Salzsee witzige Bilder machen konnte:

Danach fuhren wir nach La Paz, auf dem Weg ging leider unsere Flota kaputt (was für eine Überraschung) und alle Leute mussten dann trempen und in einer anderen Flota bei einer Todeskälte im Gang eingequetscht rumsitzen (nachts und so ca. 8 Stunden lang).
Dafür haben wir uns dann in La Paz noch mal das Dekadente Leben gegönnt mit Feiern gehen, essen im deutschen Restaurant und Stadtrundfahrt.